Altes Wappen

Kursachsen gehörte auf Grund hoher Bergbauerträge und eines entwickelten Manufakturwesens zu den reichsten Ländern im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Ein geordnetes Straßenwesen nach römischem Vorbild sollte wesentlich zur Belebung des Handels beitragen.

König August II. von Polen und Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen („August der Starke“, 1670 - 1734) erließ deshalb den Befehl, Kursachsen zu erfassen und zu kartographieren. Adam Friedrich Zürner (1679 - 1742), sein Land- und Grenzkommissar, wurde damit beauftragt. Es entstanden neue Landkarten, die erst um 1750 veröffentlicht werden durften und bis ins 19. Jh. gültig waren. Parallel wurden die Straßen vermessen und ab 1722 die sogenannten kursächsischen Postmeilensäulen in den Städten und entlang der Poststraßen errichtet.

Eine dieser kursächsischen Postmeilensäulen steht als steinerner Zeuge sächsischer Post- und Verkehrsgeschichte nahe der Bornschen Mühle. Ursprünglich sollten diese Postdistanzsäulen vor jedem Stadttor errichtet werden. 1727 wurde jedoch die Aufstellung von nur einer Distanzsäule auf dem Marktplatz gestattet, jedoch mit vier statt zwei Inschriftenseiten. Einst zierte auch diese Säule den Marktplatz, bevor sie 1918 zum Schutz vor verkehrstechnischen Beschädigungen am heutigen Standort ihren Platz fand.

Bedeutung und Aussage der Frohburger Meilensäule:

  • als Distanzsäule: etwa 4,50 m hoch, bestehend aus Sockel, Postament, Schriftblock, Wappenstück und Spitze
  • als Marktsäule: zierte den Markt vis á vis der Ecke „Roter Hirsch“
  • das Wappenstück: zweifach über Eck stellt es jeweils das kursächsische und das polnische-litauische Wappen unter der vergoldeten polnischen Königskrone dar, die mit dem roten sächsischen Kurhut ausgefüllt ist, von Rankwerk umgeben; darunter sichtbar im blauen Eckfeld die goldenen Initialen AR = Augustus Rex (König August) des Landesherrn
  • der Schriftblock: etwa in Lesehöhe für die Postillione auf dem Pferd oder dem Kutschbock die Poststationen mit Stationsnummer bzw. die Städte, die an der betreffenden Straße lagen; wobei eine waagerechte Linie dazwischen anzeigt, dass die nachfolgenden Orte an einem Abzweig liegen, was ein Umsteigen erforderte
  • die Jahreszahl: in der Regel das Jahr der Anfertigung, nicht immer das Aufstellungsjahr
  • das Posthorn: ist vergoldet und bis heute Symbol der staatlichen Posthoheit
  • die Entfernungsangaben: 1 Stunde (St.) = ½ Postmeile = 4,531 km, gültig in Sachsen 1721 – 1840

 

Eckdaten der Kursächsischen Postdistanzsäule:

  • 1727 auf dem Markt in Frohburg errichtet, Material Hilbersdorfer Porphyrtuff, Ausrichtung zur Poststraße Leipzig – Borna – Penig – Chemnitz  (heute B 95) mit (56) Entfernungsangaben in Wegstunden (1 Wegstunde/St. = ½ Postmeile = 4,531 km)
  • Originalstandort an der Süd-West-Ecke des Marktplatzes, gegenüber den Gasthöfen „Roter Hirsch“ und „Zu den 3 Schwanen“ (bzw. „Zu den drei Schwänen“, später „Hotel zur Post“), damals Post- und Pferdewechselstation, sowie der späteren Fleischerei Helbig
  • 1818 bei Renovierung Schriftteil erneuert und 15 Entfernungsangaben für neue Gedenkinschrift zu Ehren des sächsischen Königshauses weggelassen
  • Einführung neuer Entfernungsangaben im Königreich Sachsen (1 Meile = 7,5 km)
  • 1872 letzte Postkutsche Frohburg - Borna
  • 1878 bei Renovierung Schriftteil oder Gesamtsäule und 8 Entfernungsangaben für neue Gedenkinschrift zu Ehren des sächsische Königshauses weggelassen
  • 1892 im Frühjahr wegen Marktplatzerhöhung (um 1-2 m kurzzeitig) entfernt (und wieder aufgestellt – vgl. 1 Bild von 1893, Anlage)
  • (1899) 13.02.1900 Umsetzung in Anlage an Stadtausgang Richtung Borna (später „Bismarckplatz“ mit Denkmal bzw. an der Gärtnerei Heinker mit VVN-Denkmal) durch Baumeister Altmann für 70,00 Mark
  • 1906 letzte Postkutsche Frohburg - Kohren
  • 28.03.1918 Umsetzung zum heutigen Standort („Bornsche Mühle“) durch Baumeister Kupfer für 479,08 Mark
  • 1919 Sockel (nach Unfall mit Lastkraftwagen) erneuert (und Säule mit Zement ausgebessert)
  • 1932 Neubeschriftung der Säule nach Gutachten von Oberlehrer Dr. Pfau (Rochlitz), nur noch 27 von 56 Entfernungsangaben vorhanden
  • 1960-62 Neugestaltung der Säule auf Vorschlag von Kreisdenkmalpfleger I. Kittel durch Bildhauermeister Werner Hempel (Dresden) mit Farbfassung von Steinmetzmeister Jochen Winzer (Bad Lausick) für 5646,00 Mark in der vermutlich ursprünglichen Fassung (mit 56 Entfernungsangaben), wobei keine Originalteile mehr verwendet wurden (letztes Originalteil Wappenstück seitdem im Schlossmuseum Frohburg, vgl. 2 Bilder um 1965, Anlagen) und Wiederaufstellung am 16.08.1962 (Finanzierung durch Stadt und Landkreis)

 

Erstrahlen im neuen Glanz:

Die Frohburger Postmeilensäule wurde nach einer aufwendigen Restauration im November 2012 bei strahlendem Sonnenschein wieder an ihrem alten Standort an der „Born´schen Mühle“ aufgebaut.

Im Vergleich der Bilder vorher und nachher kann man die  Arbeit der restauratorischen Leistung wirklich sehen.

Standort der Postmeilensäule:

Bahnhofstraße – an der "Bornschen Mühle" 

04654 Frohburg

Quellen:

I. Kittel: Die Frohburger Postmeilensäule 1727-1962, LVZ (Ausgabe Geithain) v. 30.08.1962

Heinz Burckart: Postmeilensteine an der F 95 zwischen Karl-Marx-Stadt und Leipzig, Manuskript, Frohburg im Februar 1965

Autorenkollektiv der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen: Lexikon Kursächsische Postmeilensäulen, transpress-Verlag, Berlin 1989

Archiv der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e.V.

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